Internetrecherche – und wie verlässlich sind die Quellen?

Vor 20 Jahren war Recherchieren noch eine aufwändige Angelegenheit. Man konnte Stunden in Bibliotheken und Archiven verbringen. Das Internet hat das Informationswesen revolutioniert und unterschiedlichste Fakten und Meinungen innerhalb von kürzester Zeit verfügbar gemacht. Ein paar Klicks, die Eingabe von ein paar Worten in eine der gängigen Suchmaschinen, und man ist nur Bruchteile von Sekunden von dutzenden oder hunderten oder sogar noch mehr Links entfernt. Das macht die Suche schnell und einfach – in gewisser Weise kann es aber auch die Auswahl der richtigen Informationsquelle erschweren.

Denn es ist nicht besonders schwierig, etwas im Internet zu veröffentlichen. Im Zeitalter von Social Networking und Blogging und Webseiten nach dem Baukastenprinzip kann fast jedermann eigene Texte ins Netz stellen. Dazu kommen noch die täglichen eingehenden E-Mails, etwa abonnierte Newsletter zu diversen Themen. Kurz gesagt, nie vorher waren wir mit einer solchen Datenflut konfrontiert. Es lohnt sich also, beim Recherchieren darauf zu achten, woher die jeweiligen Informationen eigentlich stammen. Mit anderen Worten: Wer ist die Quelle? Wie kompetent ist diese Quelle wohl? Und – was ist deren Motivation bzw. Grund der Veröffentlichung?

Bei der Klärung dieser Fragen helfen uns besonders zwei Funktionen, die für die Internettechnologie besonders charakteristisch sind: 1. Suchmaschinen , 2. so genannte “Links” oder “Hyperlinks”, Querverweise innerhalb eines Online-Textes, die von im Text auftauchenden Begriffen direkt auf eine andere Internetstelle (auf der eigenen Seite oder anderweitig) verweisen. Zur besonders hilfreichen Sorte gehören Schlüsselausdrücke wie “Impressum”, “Über uns/mich” oder “About us”, “Unser Unternehmen”, “Mission Statement”, “User Info”, “Profil”.

Ein Produkt – viele Meinungen

Um das Internet zur Recherche nutzen zu wollen, muss man kein Journalist oder professioneller Schreiber sein. Ein klassisches Beispiel der Recherche für den Eigenbedarf, ist die Suche nach Produktinformationen. Es ist schließlich durchaus verständlich, dass man sich beim geplanten Kauf eines Produktes vorher ein wenig informieren möchte. Und es ist vernünftig, sich dabei nicht allein auf die Fernsehwerbung (die per Definition ja subjektiv zu sein hat) verlassen möchte. Die Eingabe der relevanten Begriffe in die Suchmaschine versorgt uns mit Links, und los geht’s! Wohlmöglich stoßen wir auf eine sehr wohlwollende Produktbewertung. Die sich daraus ergebende Frage ist, wo haben wir diese gefunden? Auf der Webseite des Herstellers? In der Online-Ausgabe einer Fachzeitschrift? In einem privaten Blog? In einem Diskussionsforum für Verbraucher? Im Katalogtext eines Online-Händlers? Oder vielleicht auf einer Internetpräsenz, die in irgendeiner Weise mit einem Konkurrenzprodukt in Verbindung zu bringen ist?

Man kann davon ausgehen, dass es sich auf der Webseite des Herstellers wie auch in Produktbeschreibungen von Online-Shops um werbende Texte handelt, deshalb wird man hier, abgesehen Eckdaten und Preisen, eher wenig ausgewogene Informationen, ganz zu schweigen von Kritik, zu lesen bekommen. Viele Internet-Händler sind inzwischen dazu übergegangen, Kundenbewertungen zu veröffentlichen. Es mag sich lohnen, sich diese für einen besseren Eindruck genauer anzusehen – dabei sollte man bei der Bewertung der Objektivität dieser Texte allerdings im Hinterkopf behalten, dass der Shop die Kontrolle über die Veröffentlichung dieser Kundenstatements hat. Man sucht also eine möglichst objektive aber kompetente Bewertung. Unabhängige etablierte Online-Fachzeitschriften dürften da in die richtige Richtung gehen. Natürlich haben auch diese Zeitschriften Anzeigenkunden und werden es vermutlich nicht gerade bewusst darauf anlegen, diese mit schlechten Kritiken über deren Produkte zu verprellen – trotzdem ist aber davon auszugehen, dass sie ihren Status nicht dadurch gefährden wollen, vollkommen unzutreffende Produktbewertungen abzugeben. Insofern unterscheiden sie sich häufig von den “Kundenmagazinen”, die in der Regel weniger unabhängig sind, sondern häufig Kooperationen mit verschiedenen Shops oder Herstellern eingehen (Stichwort “Affiliate”/”Partnershops”). Damit ist keine wirkliche Objektivität gewährleistet. Aufschluss über solche Fragen bietet das Impressums bekommen, auch indem man den Namen des dort genannten Unternehmens in eine Suchmaschine eingibt und überprüft, ob dieses wiederum mit anderen Unternehmen zusammenhängt.

Eine Person – noch mehr Meinungen

Gerade Aussagen zu Personen sind oft durch individuelle Sichtweisen gefärbt. Wenn es also um die Bewertung einer im Internet (oder anderen Medien) gemachten Aussage über eine Person geht, sollte man sich über das Verhältnis des Autors/dessen Auftraggebers zu dieser Person im Klaren sein, (Möglicherweise macht ja auch die Person eine Aussage über sich selbst?) Handelt es sich um jemanden aus der Politik, wird es höchstwahrscheinlich einen immensen Unterschied machen, aus welchem politischen (oder eventuell auch religiösen) Lager der Schreiber/Redakteur/Herausgeber kommt. Dies lässt sich zumindest bei Zeitungen/Magazinen (und deren Online-Ausgaben) relativ einfach herausfinden, da eine gewisse Grundhaltung oft bekannt ist. Lässt sich in dieser Richtung nichts herausfinden, kann man den Namen des Autors/der Quelle im Internet recherchieren und etwa anhand von anderweitig verfassten Texten Einstellungen oder schreiberische Tendenzen ausmachen.

Zweckmäßige Fragestellungen: Versucht der Autor die Person zu unterstützen (Fans, PR-Firmen) oder ihr zu schaden/zu diskreditieren? Könnte der Autor von seiner Aussage in irgendeiner Hinsicht profitieren? Geht es bei der jeweiligen Website/Publikation primär um die Darstellung von subjektiven/individuellen Sichtweisen oder um eine eher neutrale Weitergabe von Informationen? Ist der Zweck der Publikation tendenziell Sensations-/Meinungsmache (was ein Indiz für überspitzte Darstellungen sein könnte)? Geht es bei den Aussagen um die Darstellung von Meinungen, Klatsch oder tatsächlichen Fakten?

Solche Fragen lassen sich nicht immer eindeutig beantworten. Daher ist es letztendlich sinnvoll, sich Informationen über Personen von möglichst mehreren, verschiedenartigen Quellen zu besorgen und die Ergebnisse zu vergleichen. (Ausnahme: Wenn der Text von den Formulierungen her vermuten lässt, dass hier eine Seite lediglich von der anderen abgeschrieben hat.) Denn selbst wenn man unterstellt, dass jede Quelle eine eigene “Agenda” verfolgt, werden sich doch häufig gewisse Übereinstimmungen – und sei es nur in Teilaspekten – zeigen.

Was heißt das für die Leser?

Natürlich hat es unterschiedlichen Sichtweisen über ein und dasselbe Thema auch schon in der Vor-Internet-Zeit gegeben. Mit dem Internet sind die Quellen – und deren Fundstellen – jedoch sehr viel umfangreicher geworden, und der Informationsfluss schwieriger zu kontrollieren. Das muss nicht paranoid machen, nein. Aber aufmerksam beim Recherchieren. Vergleichen und Mitdenken gefragt!

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